Die Vorschriften zur Umsatzrealisierung zusammengefasst in einem einzigen Standard – das ist ab dem Jahr 2017 Realität. Denn bereits am 28. Mai 2014 veröffentlichten das IASB und das FASB mit genau diesem Ziel gemeinsam einen neuen Rechnungslegungsstandard IFRS 15 Umsatzerlöse aus Verträgen mit Kunden. Dadurch werden bisherige Standards wie der IAS 11 Fertigungsaufträge oder der IAS 18 Umsatzerlöse ersetzt. So soll es gelingen, Abschlüsse mithilfe einer einheitlichen Regelung international vergleichbar zu machen. Unternehmen, die nach IFRS bilanzieren, sind ab dem 1. Januar 2017 verpflichtet, den neuen Standard anzuwenden, da dieser von der Europäischen Union im Oktober 2016 in europäisches Recht übernommen wurde. Die Anwendung erstreckt sich allgemein auf Verträge über die Lieferung von Gütern oder die Erbringung von Dienstleistungen an Kunden.

Darstellung der Erlöse mit einem Betrag, welcher der Gegenleistung entspricht

Unternehmen müssen anhand eines 5-Schritte-Modells bestimmen, zu welchem Zeitpunkt bzw. über welchen Zeitraum und in welcher Höhe sie Um-satzerlöse erfassen. Das Modell sieht nach einer notwendigen Identifizierung des zu beurteilenden Vertrages zunächst eine Identifizierung der separaten Leistungsverpflichtungen des bilanzierenden Unternehmens vor, ebenso wie die Bestimmung der entsprechenden Gegenleistung in Form des Transaktionspreises. Der Trans-aktionspreis wird sodann auf die Leistungsverpflichtungen aufgeteilt, sodass zuletzt die Erfassung der Umsätze möglich ist. Der Realisationszeitpunkt gilt dabei als der Moment des Übergangs der Kontrolle über Güter oder Dienstleistungen. Die Erlösrealisation kann jedoch bei Vorliegen bestimmter definierter Kriterien auch zeitraumbezogen erfolgen. Die Höhe des realisierten Umsatzes wird als der Betrag, auf den das Unternehmen er-wartungsgemäß Anspruch hat, definiert.

IFRS 15 soll Umsatzerlöse und Cash-flows transparenter machen

IFRS 15 enthält neue qualitative und quantitative Angaben, mit denen Art, Höhe und Zeitpunkt sowie Unsicherheit von Umsatzerlösen und Cash-flows transparenter werden sollen. Im Standard werden zusätzliche Angaben insbesondere zu Verträgen mit Kunden, vertraglichen Leistungsverpflichtungen sowie zur Ausprägung von Schätzungen und bedeutsamen Ermessensentscheidungen gefordert. In den Anwendungsleitlinien des Standards werden zudem zahlreiche zusätzliche Themen wie u. a. Gewährleistungsverträge, Lizenzgeschäfte sowie die Aktivierung von Kosten der Erlangung und Erfüllung des Vertrags adressiert.  

Auswirkungen des Standards auf alle Branchen

Je nach Branche wirken sich die Konsequenzen der neuen Kriterien unterschiedlich aus. Stärker betroffen sind tendenziell jene Branchen mit komplexeren Verträgen wie z. B. der Telekommunikationsbereich oder Wirtschaftszweige, in denen verstärkt Lizenzgeschäfte vereinbart werden – etwa in der Software- oder Pharmaindustrie. Hier können sich grundlegende Änderungen im Rechnungswesen und in der Bilanzierung ergeben. Andere Branchen, bspw. der Einzelhandel, in dem standardisierte Produkte zu festen Preisen veräußert werden, werden weniger von den neuen Regelungen betroffen sein.

Überprüfung der gesamten Vertragsprozesse notwendig

Die neuen Regelungen zur zeitlichen Umsatzerfassung führen in vielen Unternehmen zu Anpassungsbedarf. Sie können vor allem bei Mehrkomponentengeschäften oder variablen Kauf-preisbestandteilen zu einer zeitlichen Verschiebung von Umsätzen führen, wenn durch die neuen Anforderungen Erlöse vorgezogen oder aufgeschoben werden. Dies kann in einer grundlegenden Überprüfung der Vertriebsprozesse und Vertragsgestaltungen münden, sollten geänderte Erlösdefinitionen den Unternehmenszielen diametral entgegenstehen. Auch ist bei Unternehmen, die bereits heute die Percentage-of-Completion-Methode anwenden, zu überprüfen, ob die Verträge die Kriterien des IFRS 15 für eine zeitraumbezogene Ertragsrealisierung erfüllen.

Grundsätzlich sind durch die geänderten Rahmenbedingungen neue Schätzungen und Ermessensentscheidungen seitens der bilanzierenden Unternehmen erforderlich. Eventuell ist eine Aktualisierung der IT-Systeme ratsam, um die Erfassung zusätzlich geforderter Daten zu gewährleisten. Auch die Prozesse der Rechnungslegung und damit zusammenhängende interne Kontrollsysteme sollten kritisch im Hinblick auf geänderte Anforderungen durch den neuen Standard überprüft werden, um den Verlust notwendiger Informationen aus betrieblichen Prozessen zu vermeiden.

Die frühzeitige Vorbereitung ist von zentraler Bedeutung

Für IFRS-Bilanzierer wird es wichtig sein, sich rechtzeitig mit dem neu-en IFRS 15 auseinanderzusetzen, um mögliche Auswirkungen abschätzen und gegebenenfalls notwendige Anpassungen in den Verträgen und Rechnungslegungssystemen vornehmen zu können. Hierbei stehen Ihnen unsere Experten gerne beratend zur Seite.