Die Idee: Gremium für Familienunternehmen
Das deutsche Aktienrecht sieht eine zweigliedrige Leitungs- und Überwachungsstruktur vor: Der Vorstand leitet die Aktiengesellschaft, der Aufsichtsrat hat die Geschäftsführung zu überwachen. Anders in der GmbH und Personengesellschaft, hier ist neben dem Eigentümergremium als weiteres Organ nur die Geschäftsführung vorgesehen. Ein gesetzlich zwingender Aufsichtsrat ist die Ausnahme. Dennoch haben zahlreiche, insbesondere familiengeführte, Unternehmen als freiwilliges Organ einen Beirat oder fakultativen Aufsichtsrat eingerichtet, der dem gesetzlichen Aufsichtsrat nachgebildete Funktionen übernimmt.

Die aktuelle Fassung des Governance-Kodex für Familienunternehmen aus 2015 widmet dem Aufsichtsgremium einen eigenen Abschnitt und formuliert als Leitgedanken: „Mit wachsender Unternehmensgröße und zunehmender Komplexität auf Inhaber-seite wird auch denjenigen Familienunternehmen empfohlen, die dazu nicht von Gesetzes wegen verpflichtet sind, ein eigenständiges, freiwilliges Aufsichtsgremium einzurichten. Ein solches Gremium kann helfen, die Qualität und Objektivität bei der Beratung und Kontrolle der Unternehmensführung zu sichern ...“ In unserer Praxis erreicht uns der Gedanke oftmals im Zusammenhang mit der Gestaltung der Nachfolge in Unternehmen: Langjährig operativ tätige Gesellschafter können das tagtägliche Geschäft der nachfolgenden Generation übergeben, über ein Beiratsmandat aber weiterhin wesentliche Fragen der Geschäftsführung mitgestalten.

Die Aufgabe: Beratung und Überwachung

In der Gestaltungspraxis wird zwischen einem beratenden und einem überwachenden Beirat unterschieden. Letzterem sind oftmals Aufgaben der Gesellschafterversammlung übertragen: U. a. kann die Durchführung von außerordentlichen Geschäftsführungsmaßnahmen von der Zustimmung des Beirates abhängig sein. Weitere Kernfunktionen liegen in der

  • Beratung der Gesellschafter und der Geschäftsführung;
  • Überwachung der Geschäftsführung;
  • Nachfolge und Kontinuitätssicherung;
  • Vermittlung bei Konflikten im Gesellschafterkreis;
  • Repräsentation und Vernetzung in der Branche;
  • Professionalisierung durch Stärkung der fachlichen Expertise und
  • in der Strategieausrichtung, u. a. durch externe Impulse, sofern anderen Unternehmern Beiratsmandate angeboten werden.

Die Umsetzung: Einrichtung eines Beirats
Die Einrichtung eines Beirats ist Sache der Gesellschafter. Wesentliche Punkte sind daher im Gesellschaftsvertrag zu regeln. Die Festlegung der Kompetenzen des Beirats, die Wahl der Beiratsmitglieder und die Höhe der Vergütung obliegen nach den Grundsätzen der Verbandssouveränität und dem Prinzip der Selbstorganschaft den Gesellschaftern.

Ferner sollte als Entscheidungsmaßstab des Ermessens der Beirat ausdrücklich dem Unternehmensinteresse verpflichtet sein. Der Beirat sollte mit ungerader Mitgliederzahl und fachlich geeigneten Kandidaten besetzt werden. Eine Beiratsordnung ergänzt die gesellschaftsvertraglichen Vorgaben. In diese können Sitzungsturnus, Regeln zur internen Willensbildung, Umgang mit Interessenkonflikten und Berichtspflichten aufgenommen werden.