Das Steuerrecht knüpft an verschiedene Vergünstigungen unterschiedlichste Behalte- oder Verbleibensfristen. Zu den bekannteren gehört die Frist von fünf oder sieben Jahren für den Verbleib des ererbten/ geschenkten Betriebsvermögens oder land- und forstwirtschaftlichen Vermögens bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer. Wird Vermögen dieser Art übertragen, können Erben bzw. Beschenkte den Wert des Vermögens um 85 % bzw. 100 % verringern, wenn sie es fünf bzw. sieben Jahre behalten. Sollte vor Ablauf der Fristen ein Verkauf erfolgen, entfällt der Abzug je nach Zeitablauf. Die Steuerfolgen kann man in der Regel verschmerzen, wenn durch den Verkauf Geld hereinkommt.

Wie sieht es aber aus, wenn der Wert des Vermögens sich innerhalb der Frist verringert oder wenn für den erhaltenen Betrieb sogar Insolvenz angemeldet werden muss? Auch dann entfällt rückwirkend die Steuerbefreiung und zum Verlust des Vermögens kann noch eine erhebliche Steuernachzahlung hinzukommen. Das Finanzgericht (FG) Nürnberg (4 K 571/16) hatte über einen Sachverhalt zu urteilen, bei dem ein Unternehmer einen Anteil an einer KG an seine zwei Kinder vererbte. Der Wert dieses Anteils wurde mit ca. EUR 9,5 Mio.festgestellt. Davon zog das Finanzamt einen Bewertungsabschlag von 85 % (ca. EUR 8 Mio.) ab. Das Unternehmen musste Insolvenz anmelden, die zwei Tage vor Ablauf von vier Jahren eröffnet wurde. Das Finanzamt verringerte deshalb den Abzugsbetrag auf 3/5 von 85 %, hierdurch erhöhte sich die Erbschaftsteuer je Erbe um ca. EUR 80.000. Das angerufene FG entschied, dass die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens eine schädliche Verfügung gem. § 13a Abs. 5 ErbStG darstellt, die Steuer wurde daher zu Recht erhöht.

Zum Verlust des Vermögens kommt nun noch der Schaden durch die Steuernachzahlung hinzu. Wäre die Insolvenz nur zwei Tage später eröffnet worden, hätte sich die Nachzahlung um rd. EUR 40.000 verringert. Man erkennt hieran, dass die oft geforderte schnellere Arbeit bei Behörden und Gerichten nicht nur Vorteile hat.