Die Angabeninitiative (Disclosure Initiative) ist eine Initiative des Inter-national Accounting Standard Board (IASB), die bereits vor vier Jahren ins Leben gerufen wurde, mit dem Ziel, der „Informationsüberfrachtung“ der IFRS-Finanzberichterstattung (sog. „Disclosure Overload“) entgegenzuwirken. Auslöser war die Klage verschiedener Abschlussadressaten, dass die Finanzberichterstattung in vielen Fällen überladen ist und gleichzeitig wichtige Informationen fehlen.

Unter Aufsichtsräten, Vorständen, Erstellern, Prüfern und Enforcern gewinnt die Disclosure Initiative an Aufmerksamkeit. Sie umfasst verschiedene Teilprojekte, die teilweise bereits abgeschlossen sind – allesamt mit dem Ziel einer umfassenden Verbesserung der Finanzberichterstattung.

Kern der Initiative
Begonnen hatte die Initiative bereits im Jahr 2013 mit einem Diskussionsforum zwischen Abschlusslesern, Erstellern, Standardsetzern, Prüfern und Regulierungsbehörden. Eines der bereits abgeschlossenen Projekte betrifft Änderungen an IAS 1 (Presentation of Financial Statements). Diese sind für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2016 beginnen, verpflichtend anzuwenden. Bei kalendergleichen Geschäftsjahren sind somit die Abschlüsse zum 31. Dezember 2016 betroffen. Eine freiwillige Anwendung war bereits im Jahr 2015 möglich. Bei den Änderungen an IAS 1 handelt es sich im Wesentlichen um Klarstellungen hinsichtlich in der IFRS-Anwenderpraxis bis dato umstrittener Auslegungsfragen. Durch die Änderungen an IAS 1 wird das Konzept der unternehmensspezifischen Wesentlichkeit stärker betont. So wird klargestellt, dass eine Angabe nur zu machen ist, wenn sie wesentlich ist und nur die maßgeblichen Rechnungslegungsinformationen zu beschreiben sind. Dies gilt explizit auch für Anhangangaben oder für vom Standard ausdrücklich geforderte Informationen.

Diese Klarstellung ist für IFRS-Anwender in der Praxis von substanzieller Bedeutung. Das insbesondere vor dem Hintergrund, dass in einschlägigen deutschen Kommentierungen häufig noch die Auffassung vertreten wurde, dass Anhangangaben in Zweifelsfällen unabhängig von Wesentlichkeitsüberlegungen anzugeben seien. Hintergrund ist insbesondere ein Entgegenwirken einer vielfach zu beobachtenden „Checklistenmentalität“, die darauf abzielt, insbesondere in den Anhang alles aufzunehmen – egal, ob relevant oder nicht. Durch Änderung des Wortlauts in IAS 1.114 stellt der IASB darüber hinaus klar, dass die bis-lang im IAS 1 angeführte Struktur für den Anhang kein starres Gliederungs-schema, sondern vielmehr eine beispielhafte Gliederung darstellt. Eine unternehmensindividuelle Strukturierung des Anhangs nach der Verständlichkeit und Vergleichbarkeit des Ab-schlusses ist somit erwünscht.

In der Anwendung der Vorschriften werden sich im Einzelfall Fragen ergeben: Was ist qualitativ und quantitativ wesentlich? Können Pflichtangaben entfallen, die lediglich zur Angabe einer unwesentlichen Information führen? Muss der Anhang Ausführungen zu Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden enthalten, die nicht unternehmensspezifisch sind? Auch wenn die Anwendung im Einzelfall ermessensbehaftet ist, scheint doch der Tenor der Änderungen eindeutig zu sein: weg von 1:1-Übernahmen von Formulierungen aus den Standards, hin zu Angaben der Unternehmensspezifika und zur Ausübung des notwendigen unternehmensindividuellen Ermessens. Sofern aus Sicht des Unternehmens Pflichtangaben aus Wesentlichkeitsgründen unterlassen werden, sollte dies für sich selbst (und im Zweifel für eine Auseinandersetzung mit einem Prüfer oder Enforcer) dokumentiert und begründet werden.

Ausblick
Die Disclosure Initiative ist noch nicht abgeschlossen. Derzeit ist noch eine Reihe von Teilprojekten, wie z. B. zur Überarbeitung bestehender Angabepflichten, „in Arbeit“. Welche Aus-wirkungen sich auf die Praxis ergeben, könnte bereits die Veröffentlichung der Geschäftsberichte 2016 zeigen. Als Vorreiter einer „Entschlackungswelle“ in der IFRS-Finanzberichterstattung wird in der Fachpresse über-wiegend die Siemens AG angeführt, deren Geschäftsbericht 2014/ 2015 nach einer vorzeitigen Anwendung des geänderten IAS 1 nur noch 152 Seiten nach 368 Seiten im Vorjahr umfasst. Bleibt zu wünschen, dass die dargestellten Maßnahmen zu einer Fokussierung der Finanzberichterstattung auf breiter Ebene führen.