Im Rahmen der Ermittlung des Gewerbeertrags steht grundstücksverwaltenden Unternehmen, die nur kraft ihrer Rechtsform der Gewerbesteuer unterliegen, eine besondere Kürzung zu. Nach § 9 Nr. 1 Satz 2 GewStG können sie sämtliche Erträge aus der Bewirtschaftung ihres eigenen Grundbesitzes bei der Ermittlung des Gewerbeertrages abziehen. Dies trifft in der Regel auf Gesellschaften in der Rechtsform der GmbH oder der GmbH & Co. KG zu. Diese Vergünstigungen können aber nur Gesellschaften beanspruchen, die ausschließlich Erträge aus eigenen Grundstücken erzielen. Für spezielle Erträge gibt es Sonderregelungen.
 
Seit vielen Jahren war aber strittig, ob die Vorschrift auch dann anwendbar ist, wenn die Grundstücksgesellschaft ihrerseits an einer Gesellschaft beteiligt ist, die ebenfalls nur eigenen Grundbesitz verwaltet. In einer Entscheidung vom 19. Oktober 2010 hatte der I. Senat des BFH die Kürzung in diesem Fall abgelehnt (Az. I R 67/09). Der IV. Senat des gleichen Gerichts war gegenteiliger Auffassung, konnte aber nicht gegen das vorhandene Urteil entscheiden. Das Gericht legte die Rechtsfrage daher dem Großen Senat des BFH (GrS) vor (Az. IV R 26/14). Dieser entschied, dass Erträge sogenannter vermögensverwaltender Personengesellschaften als aus eigenem Grundbesitz stammend anzusehen sind. Dies hat zur Folge, dass sowohl die eigenen Erträge der GmbH oder GmbH & Co. KG als auch die Beteiligungserträge der Personengesellschaft unter die Kürzungsvorschrift des § 9 Nr. 1 Satz 2 GewStG fallen. Das Gericht sieht den Grundstücksbestand einer vermögensverwaltenden Personengesellschaft anteilig als eigenen Grundbesitz ihrer Gesellschafterin an und kommt daher zum Ergebnis, dass nur eigene Grundstücke verwaltet wurden.
 
Die Finanzverwaltung muss daher ihre bisherige Auffassung in Hinweis 9.2 (2) zu R 9.2 (2) GewStR aufgeben. Nicht von dem positiven Urteil erfasst sind aber Beteiligungen an Grundstücksgesellschaften, die ihrerseits gewerblich geprägt sind. Ist also eine GmbH/ GmbH & Co. KG Gesellschafterin einer anderen gewerblich geprägten GmbH & Co. KG, dann können die Erträge der Obergesellschaft insgesamt nicht gekürzt werden.