Bilanzrecht

Zukunftsorientiere Berichterstattung
im Lagebericht

Juni 2017

Die Lageberichterstattung hat seit ihrer gesetzlichen Einführung im Jahr 1985 insbesondere in den letzten Jahren durch Neuerungen des BilMoG sowie die Verabschiedung des DRS 20 und der damit stärkeren Ausrichtung der Rechnungslegung an den Informationsbedürfnissen von Investoren und Kreditgebern auch für mittelständische Unternehmen deutlich an Bedeutung gewonnen.

Insbesondere durch DRS 20 haben sich die Anforderungen deutlich erhöht. Dieser Rechnungslegungsstandard betrifft zwar grundsätzlich nur Konzernlageberichte, er enthält jedoch auch eine Reihe von Angaben zu § 289 HGB und konkretisiert damit den Lagebericht des Einzelabschlusses. Nach herrschender Meinung ist er deshalb auch für den Einzelabschluss verpflichtend.

DRS 20 konkretisiert wesentliche Bestandteile der Lageberichterstattung. Abgeleitet daraus ergibt sich für mittelständische Unternehmen folgende empfehlenswerte Gliederung des Lageberichts:

Während der Wirtschaftsbericht einen eindeutigen Vergangenheitsbezug hat und damit vergleichsweise leicht darstellbar ist, stehen im Prognose- sowie im Risiko- / Chancenbericht zukunftsorientierte Aussagen im Mittelpunkt und häufig im Fokus der Abschlussadressaten. Da zukunftsorientierte Aussagen naturgemäß mit Unsicherheiten behaftet sind, liegt hier – gerade auch für mittelständische Unternehmen – eine schwierige unternehmerische Herausforderung. Um allzu vagen Aussagen in der Prognoseberichterstattung zu begegnen, werden in DRS 20 Mindestvorgaben hinsichtlich Prognosezeitraum, -genauigkeit und Prognosegrößen gemacht. Als Prognosezeitraum gilt nunmehr „mindestens ein Jahr“ – gerechnet vom letzten Abschlussstichtag. Für diesen Zeitraum werden erhöhte Anforderungen an die Prognosegenauigkeit gestellt. Mindestens erforderlich sind sogenannte qualifiziert-komparative Prognosen zur Richtung („steigen“, „fallen“) und Intensität („stark“, „geringfügig“ bzw. „leicht“) der Entwicklung einer Finanzkennzahl. Natürlich sind auch Punkt- oder Intervallprognosen (bspw. Steigerung um 2 % bzw. Steigerung zwischen 2 und 4 %) zulässig.

Bei der Frage über welche Kennzahlen zu berichten ist, ist auf die bedeutsamsten finanziellen Leistungsindikatoren des jeweiligen Unternehmens abzustellen, die auch zur internen Steuerung durch die Unternehmensleitung herangezogen werden. Dies ist in vielen Fällen insbesondere im Mittelstand sicherlich die Entwicklung der Umsatzerlöse und des Jahresergebnisses, es kommen – abhängig von der internen Berichterstattung – jedoch beispielsweise auch andere Kennzahlen wie EBIT, Umsatzrenditen oder Liquiditätskennzahlen in Frage.

Die Risikoberichterstattung hat ebenfalls einen Zukunftsbezug: Gemäß § 289 Abs. 1 HGB ist im Lagebericht die voraussichtliche Entwicklung mit ihren wesentlichen Chancen und Risiken zu beurteilen und zu erläutern. Insoweit ist nur über solche Risiken (und Chancen) zu berichten, die einen wesentlichen Einfluss auf die voraussichtliche Entwicklung des jeweiligen Unternehmens haben können. Auf bestandsgefährdende Risiken ist explizit hinzuweisen. Als Prognosezeitraum verlangt DRS 20 auch für diesen Teilbereich einen Prognosezeitraum von „mindestens einem Jahr“. Weitere Anforderungen an die Risiko- und Chancenberichterstattung mit Blick auf mittelständische Unternehmen sind:

  • Kategorisierung der Risiken unter Bezugnahme auf die Organisation des Risikomanagements, d. h. Einteilung z. B. in Branchenrisiken, Personalrisiken, technische Risiken,
  • Beschreibung der Risiken mit Erläuterung möglicher Konsequenzen bzw. zusammenfassende Darstellung der Risikolage,
  • sofern möglich: Quantifizierung, ggf. unter Erläuterung der Berechnungsmodelle und Parameter,
  • Hinweis auf Änderungen der Risikolage bzgl. eines Einzelsachverhalts gegenüber dem Vorjahr,
  • Saldierungsverbot von Chancen und Risiken, d. h. eine Saldierung und ausschließliche Berichterstattung über ein verbleibendes Restrisiko sind unzulässig.

In vielen Fällen werden die Risikoermittlung und -darstellung ohne weiteres kurz und prägnant abgebildet werden können. Ab einer gewissen Größe werden Unternehmen jedoch ohne eine permanente Risikobeobachtung einschließlich der Installation eines sogenannten Risikobeauftragten nicht mehr auskommen, z. B. bei vielen Auslandseinflüssen, komplizierten Marktrisiken oder bei nennenswerten technischen Risiken.

Michael Janitschke

Michael Janitschke
Hamburg

Prokurist, Wirtschaftsprüfer, Dipl.-Ökonom

TEL 040 85 301 - 0
m.janitschke@mhl.de

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