Das bloße Erwerben, Halten und Veräußern von gesellschaftsrechtlichen Beteiligungen stellt keine unternehmerische Tätigkeit im Sinne des UStG dar. Mithin übt eine Holding, die sich auf das Halten und Verwalten gesellschaftsrechtlicher Tätigkeiten beschränkt und die keine entgeltlichen Leistungen erbringt, keine wirtschaftliche Tätigkeit aus und ist als sogenannte Finanzholding nicht Unternehmerin im Sinne des UStG.

Da die Berechtigung zum Vorsteuerabzug zunächst einmal die Qualifikation als Unternehmer im Sinne des UStG voraussetzt, ist es aus umsatzsteuerlicher Sicht regelmäßig empfehlenswert, die Unternehmereigenschaft einer Holdinggesellschaft anzustreben. Hierfür reicht der Bezug von Dividenden und anderen Gewinnbeteiligungen nicht aus, da diese nicht als umsatzsteuerliches Entgelt im Rahmen eines Leistungsaustausches zu beurteilen sind. Vielmehr ist Voraussetzung, dass die Holdinggesellschaft eine wirtschaftliche Tätigkeit ausübt, was sich durch unmittelbare oder mittelbare Eingriffe in die Tochtergesellschaften sicherstellen lässt, beispielsweise durch administrative, finanzielle, kaufmännische oder technische Dienstleistungen.  

Lässt sich dies vollumfänglich realisieren, wird von einer Führungs- oder Funktionsholding gesprochen, bei der sämtliche Beteiligungen dem wirtschaftlichen Bereich zugeordnet werden. Oftmals berechtigen diese unter den weiteren gesetzlichen Voraussetzungen zum vollen Vorsteuerabzug aus Eingangsleistungen, auch wenn die Leistungsentgelte deutlich niedriger sind als die vorsteuerbehafteten Kosten.

Lassen sich entgeltliche Leistungen nicht gegenüber allen Tochtergesellschaften erbringen, liegt eine sogenannte gemischte Holding vor, bei der Beteiligungen sowohl im wirtschaftlichen als auch im nichtunternehmerischen Bereich gehalten werden. Für Eingangsleistungen, die in einem direkten und unmittelbaren Zusammenhang mit dem nichtunternehmerischen Bereich stehen, ist der Vorsteuerabzug nicht möglich. Die Frage, wie Vorsteuerbeträge für Gemeinkosten aufzuteilen sind, die weder eindeutig dem wirtschaftlichen, noch dem nichtunternehmerischen Bereich zugeordnet werden können, ist bisher nicht abschließend geklärt. Die Aufteilungskriterien obliegen im Grundsatz den Mitgliedstaaten.

Der EuGH hat nunmehr in seinem Urteil vom 05. Juli 2018 in der Rechtssache C-320/17 „Marle Participations SARL“ entschieden, dass die Mehrwertsteuer-Systemrichtlinie dahingehend auszulegen ist, dass die Vermietung eines Gebäudes durch eine Holdinggesellschaft an ihre Tochtergesellschaft einen Eingriff in die Verwaltung der Tochtergesellschaft darstellt, die als zum Vorsteuerabzug berechtigende wirtschaftliche Tätigkeit zu beurteilen ist. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass die Dienstleistung nachhaltig ist, entgeltlich erbracht wird und besteuert wird, was gegebenenfalls durch eine Option zur Steuerpflicht sicherzustellen ist.

Kosten, die von einer Holdinggesellschaft im Zusammenhang mit dem Erwerb von Beteiligungen an ihren Tochtergesellschaften getragen werden, in die die Holding eingreift, sind als Teil der allgemeinen Aufwendungen der Holdinggesellschaft anzusehen, für die nach Auffassung des EuGH im Grundsatz der vollständige Vorsteuerabzug gewährleistet werden muss.

Das Urteil des EuGH, das aufgrund eines Vorabentscheidungsersuchen des vorlegenden französischen Gerichts ergangen ist, ist aus deutscher Sicht zu begrüßen, hat es doch klarstellende Bedeutung.

Zur Sicherstellung eines höchstmöglichen Vorsteuerabzugs empfiehlt sich jedoch regelmäßig eine umsatzsteuerliche Überprüfung vorzunehmen. Darüber hinaus ist zu erwarten, dass der Vorsteuerabzug von Holdinggesellschaften auch weiterhin Prüfungsschwerpunkt von Außenprüfungen bleiben wird.