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Welche Zutat macht einen Burger aus? Wenn es nach dem Agrarausschuss des EU-Parlaments geht, dann lautet die Antwort: Fleisch. Der Ausschuss hatte im Frühjahr 2019 einen Gesetzesentwurf beschlossen, nach dem Bezeichnungen wie Steak, Wurst, Burger und Schnitzel ausschließlich fleischhaltigen Produkten vorbehalten sein sollen. Vertreter des europäischen Viehzuchtsektors argumentierten, dass die Angaben „Burger“ oder „Steak“ für pflanzliche Ersatzprodukte eine Irreführung der Verbraucher begünstigen und unfaires Marketing darstellen würden.

Diese Bedenken teilte das EU-Parlament nicht und bewahrte Fleischersatzprodukte unlängst vor dem vorgeschlagenen Namensverbot. Es lehnte am 23. Oktober 2020 den Vorstoß des Agrarausschusses, die Vermarktung von vegetarischen und veganen Produkten unter tierisch anmutenden Begriffen zu verbieten, mit deutlichen 379 zu 284 Stimmen ab. Damit bleiben Veggie-Burger vorerst auf der Speisekarte und vegane Salami im Kühlregal bestehen.

Während Fleischersatzprodukte also weiterhin wie die tierischen Originale heißen dürfen, sind Hersteller von Milchersatzprodukten immer eingeschränkter bei der Namenswahl. Bereits 2017 hatte der EuGH geurteilt, dass rein pflanzliche Produkte nicht unter den Bezeichnungen Milch, Butter und Käse gehandelt werden dürfen. Seine Entscheidung begründete der EuGH mit den Vorgaben der Europäischen Verordnung VO (EU) Nr. 1308/2013 , die einen Bezeichnungsschutz für Milcherzeugnisse vorsieht. Um als Milch bezeichnet werden zu dürfen, muss es sich danach um ein Lebensmittel handeln, das durch das Melken von Eutern gewonnen wird.

Seitdem müssen Hersteller von Milchimitaten aus Mandeln oder Hafer mit Ersatzbezeichnungen wie Hafer- und Mandeldrink vorliebnehmen. Doch damit nicht genug: Das EU-Parlament hat für eine Verschärfung der Namensbeschränkungen bei Milchalternativen gestimmt. Von nun an sollen auch beschreibende Zusätze wie „à la“, „Typ“ oder „Nachahmung“ unzulässig sein. Wenn das Verbot kommen sollte, wird bei der Suche nach passenden Handelsnamen für veganen Käse gesteigerte Kreativität gefragt sein.

An dieser Stelle fragen Sie sich womöglich, warum es eigentlich weiterhin „Kokosmilch“ zu kaufen gibt. Es ist so: Manche Pflanzenprodukte dürfen Milchbegriffe im Namen führen. Privilegiert ist eine abschließende Ausnahmeliste von Produkten, deren Zusammensetzung aufgrund ihrer traditionellen Verwendung bekannt ist oder deren Bezeichnung zur Beschreibung einer charakteristischen Eigenschaft dient. Zulässig in diesem Sinne sind u.a. die Bezeichnungen Erdnuss- und Kakaobutter, Leberkäse, Rahmapfel, Butterbohne und eben Kokosmilch.

Das Ergebnis ist klassisch juristisch zusammenzufassen: Ob mehrdeutige Lebensmittelbezeichnungen zulässig sind oder nicht, kommt ganz darauf an.