Handwerkerleistungen können nach § 35a EStG steuerlich begünstigt werden. Für Aufwendungen für Handwerkerleistungen für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen ermäßigt sich die tarifliche Einkommensteuer um 20 Prozent der Aufwendungen des Steuerpflichtigen, höchstens jedoch um 1 200 Euro. Typische Handwerkerleistung sind Maler- und Tapezierarbeiten an Innenwänden und Decken, Aufwendungen für die Kaminkehrer sowie die Reparatur, Wartung und Austausch von Gas- und Wasserinstallationen. Nicht zu den Handwerkerleistungen gehören Leistungen von „Nicht-Handwerkern“ wie z. B. Planungskosten von Architekten, Ingenieuren und Kosten von Gutachtern. Neubaumaßnahmen, d.h. alle Maßnahmen, die im Zusammenhang mit der Errichtung eines Hauses bis zu dessen Fertigstellung anfallen, sind hingegen nicht begünstigt. Zu der damit verbundenen Abgrenzung ist unter dem Az. VI R 53/17 beim BFH ein Verfahren anhängig. Maßnahmen im Zusammenhang mit neuer Wohn- bzw. Nutzflächenschaffung in einem vorhandenen Haushalt unterfallen jedoch nicht dieser Ausnahme. Zudem unterfallen der Begünstigung lediglich Kosten für die Arbeitsleistung sowie die An- und Abfahrt, nicht jedoch Materialkosten. Die Aufteilung der Kosten sollte aus der Rechnung ersichtlich sein. Eine Schätzung erkennt die Finanzverwaltung nicht an. Des Weiteren erkennt die Finanzverwaltung die Kosten nur an, wenn der Handwerker direkt von dem Privathaushalt selbst beauftragt wurde und nicht indirekt von einer Gemeinde, z. B. bei Straßenreinigung oder Erstellung einer Straße. Diese Auffassung teilen erste Finanzgerichte nicht. Diese Fälle sollten daher offen gehalten werden. Weitere Voraussetzung für die steuerliche Berück-sichtigung der Handwerkerleistung ist das Vorliegen einer Rechnung über die Leis-tung sowie die Zahlung auf das Konto des Handwerkers. Sollte der Handwerker seine Leistung über ein Portal anbieten und das Portal die Rechnung des Handwerkers ab-rechnen, kann auch diese Rechnung unter den weiteren Voraussetzungen anerkannt werden.

Voraussetzung für die Begünstigung der Aufwendungen für die Handwerkerleistungen ist insbesondere, dass die Leistungen „im Haushalt“ des Steuerpflichtigen (in der EU oder EWR) erbracht werden. Als Haushalt gilt insbesondere die eigene Wohnung des Steuerpflichtigen (aber auch der Haushalt im Altenheim, Altenwohnheim, Pflegeheim oder Wohnstift) inklusive der Zubehörräume sowie den dazu gehörenden Grund und Boden, dazu können aber auch mehrere, räumlich voneinander getrennte Orte gehören (so z. B. tatsächlich zu eigenen Wohnzwecken genutzte Zweit-, Wochenend- oder Ferienwohnung, sowie eine Wohnung, die der Steuerpflichtige einem bei ihm zu berücksichtigenden Kind (§ 32 EStG) zur unentgeltlichen Nutzung überlässt, sowie eine tatsächlich zu eigenen Wohnzwecken genutzte geerbte Wohnung). Zu beachten ist, dass die Steuerermäßigung nach Rechtsprechung des BFH auch in diesen Fällen (bei Vorhandensein mehrerer Wohnungen) insgesamt nur einmal für den „gesamten“ Haushalt bis zu den jeweiligen Höchstbeträgen gewährt wird. In Einzelfällen können auch Arbeiten jenseits der Grundstücksgrenzen begünstigt sein, wenn es sich um Leistungen handelt, die in unmittelbarem räumlichem Zusammenhang zum Haushalt durchgeführt werden und diesem dienen (sog. räumlich-funktionale Zusammenhang).

Dieser Zusammenhang fehlt jedoch, wenn für die Neuverlegung einer öffentlichen Mischwasserleitung als Teil des öffentlichen Sammelnetzes ein Baukostenzuschuss erhoben wird. (BFH mit Urteil vom 21.02.2018, VI R 18/16). Nach Auffassung des BFH erfolgt diese Zahlung für den Ausbau des allgemeinen Versorgungsnetzes und nicht den eigenen Haushalt des Steuerpflichtigen. Folglich ist nach Rechtsprechung des BFH also zwischen Handwerkerleistungen, welche das öffentliche Wasserverteilungs- oder Sammelnetz betreffen, und jenen Handwerkerleistungen zu unterscheiden, mit denen der Haushalt an das öffentliche Versorgungsnetz durch Wasseranschlüsse, Abwasser, Elektrizität, aber auch durch eine Zulegung an das öffentliche Straßennetz angeschlossen werden soll. Sollte eine Leistung abgerechnet werden, die sowohl begünstigte als auch nicht begünstigte Handwerkerleistungen umfasst, können die begünstigten Leistungen steuerlich wohl nur berücksichtigt werden, wenn in den Rechnungen eine entsprechende Aufteilung und Zuordnung der Kosten vorgenommen wird.

Auch bei sog. Werkstatt- und Reparaturleistungen ist fraglich, ob und inwieweit dieser Zusammenhang besteht. Denn diese Leistungen werden typischer Weise nur zum Teil „im Haushalt“ des Steuerpflichtigen erbracht und auch z. B. in der Werkstatt des Handwerkers. Beim BFH sind zwei Verfahren (VI R 4/18 und VI R 8/18) dazu anhängig, ob die Handwerkerleistungen nur insoweit nach § 35a EStG begünstigt sind, wenn sie vor Ort „im Haushalt“ des Steuerpflichtigen erbracht werden oder ob es für die Begünstigung der gesamten Aufwendungen ausreichend ist, wenn der Leistungserfolg „im Haushalt“ eintritt. Im Zusammenhang mit Reparatur- und Werkstattleistungen wird der BFH also zu entscheiden haben, ob Voraussetzung für die Begünstigung tatsächlich ist, dass die Leistung ausschließlich „im Haushalt“ des Steuerpflichtigen erbracht wird (Aufteilung der Leistung in Werkstattleistungen und Leistungen vor Ort), oder ob es ausreichend ist, dass der Leistungserfolg „im Haushalt“ des Steuerpflichtigen eintritt (z. B. der Einbau der Ersatztür) und die Handwerkerleistung ggf. insgesamt begünstigt ist. Dafür wird der BFH prüfen müssen, unter welchen konkreten Voraussetzungen ein räumlich-funktionaler Zusammenhang zwischen der Handwerkerleistung und dem Haushalt des Steuerpflichtigen (noch) vorliegt. In den von dieser Entscheidung betroffenen Fällen, in denen (wie beispielsweise bei Erneuerung einer Haustür oder anderen Reparaturleistungen) lediglich ein Teil der Leistungen tatsächlich „im Haushalt“ des Steuerpflichtigen und der andere Teil außerhalb des Haushalts (z. B. in der Werkstatt des Handwerkers) erbracht wird, sollte (jedenfalls vorsorglich) unbedingt auf eine entsprechende Aufteilung der Kosten in der Rechnung geachtet werden. Damit jedenfalls für den Teil der Aufwendungen für die Handwerkerleistungen, die „im Haushalt“ erbracht werden, die Steuerermäßigung nach § 35a EStG beansprucht werden kann, müssen die Aufwendungen in der Rechnung zwingend nach dem Leistungsort aufgeteilt werden. Im Hinblick auf die beim BFH anhängigen Verfahren, sollten die Verfahren offen gehalten werden, damit ggf. eine Begünstigung der gesamten Aufwendungen erreicht werden kann.

Darüber hinaus ist beim BFH ein Verfahren (Az VI R 50/17) darüber anhängig, ob und in welchem Umfang die auf das öffentliche Straßenland vor dem Grundstück des Steuerpflichtigen entfallenden Kosten für den Ersatz einer unbefestigten Sandstraße durch eine asphaltierte Straße durch die zuständige Gemeinde als Handwerkerleistungen in einem Haushalt (räumlich-funktionaler Zusammenhang) gemäß § 35a Abs. 4 Satz 1 i.V.m. § 35a Abs. 3 Satz 1 EStG zu berücksichtigen sind.