Der Mehrwertsteuer (Umsatzsteuer) steht die vermutlich größte Reform seit knapp 25 Jahren bevor. Ein Änderungsvorschlag der EU-Kommission vom 4. Oktober 2017 bezieht sich auf den grenzüberschreitenden Handel zwischen Unternehmern in der EU. Die Reform sieht in ihrem Kern die Schaffung einer einheitlichen Besteuerung von grenzüberschreitenden Lieferungen und sonstigen Leistungen im Bestimmungsland vor.

Hierfür soll in einer ersten Phase die gegenwärtige Systematik, wonach bei Lieferungen von Gegenständen eine im Abgangsland steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung einem im Bestimmungsland steuerpflichtigen innergemeinschaftlichen Erwerb gegenübersteht, durch ein System ersetzt werden, das eine nur im Bestimmungsland steuerpflichtige Lieferung vorsieht. Die finale Umsetzung soll voraussichtlich im Jahre 2022 abgeschlossen sein. Danach ist die Umsatzsteuer zukünftig vom Leistenden in seinem Mitgliedstaat über eine zentrale Anlaufstelle („One-Stop-Shop“) anzumelden und abzuführen. Die Umsatzsteuer wird im Anschluss an den Mitgliedstaat des Leistungsempfängers weitergeleitet.

Gegenwärtig sind zudem bestimmte Sofortmaßnahmen beabsichtigt, die bereits zum 1. Januar 2019 umgesetzt werden könnten. Die Mehrwertsteuer- Systemrichtlinie wird um Bestimmungen zu Reihengeschäften und Konsignationslagern ergänzt. Die USt-IdNr. soll zudem bei grenzüberschreitenden Warenbewegungen als zusätzliche materielle Voraussetzung für die Steuerbefreiung aufgenommen werden. Ferner soll es vorschriftsmäßig handelnden Steuerpflichtigen, die entsprechend zertifiziert wurden („zertifizierte Steuerpflichtige“), für eine Übergangszeit ermöglicht werden, weiterhin Gegenstände in einem Land der EU steuerfrei erwerben zu können (mit Übergang der Steuerschuld auf den Erwerber) und einzelne Vereinfachungsregelungen anzuwenden.

Sollte die Reform in der gegenwärtig diskutierten Form kommen, wird deren Umsetzung in der Buchhaltung und dem Vertrieb der Unternehmen zu einem nicht unerheblichen Umstellungsaufwand führen. Außerdem ist zu gegebener Zeit die Entscheidung zu treffen, ob der Status eines zertifizierten Steuerpflichtigen angestrebt wird. Selbstverständlich werden wir die weitere Entwicklung verfolgen und Sie insbesondere in Bezug auf etwaige notwendige Schritte auf dem Laufenden halten.