Entwurf eines neuen IDW Prüfungsstandards zum Lagebericht

Der Hauptfachausschuss des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW) hat im Januar 2016 – nach langjähriger Vorbereitung – den Entwurf einer Neufassung des IDW Prüfungsstandards: Prüfung des Lageberichts im Rahmen der Abschlussprüfung (IDW EPS 350 n. F.) veröffentlicht. Die Überarbeitung von IDW PS 350 war erforderlich geworden, da zum einen die Grundsätze für eine ordnungsmäßige (Konzern-) Lageberichterstattung bereits 2012 mit dem Deutschen Rechnungslegungs Standard Nr. 20 (DRS 20) umfassend konkretisiert und erweitert wurden und zum anderen durch das Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (BilRUG) eine Erweiterung des Prüfungsurteils zum Lagebericht im Bestätigungsvermerk vorgeschrieben wird.

Der (Konzern-)Lagebericht stellt als eigenständiges Instrument der handelsrechtlichen Rechnungslegung eine wichtige Ergänzung des Jahres bzw. Konzernabschlusses dar, und soll Abschlussadressaten relevante Informationen zum Geschäftsverlauf, aber auch zur voraussichtlichen Entwicklung sowie zu den Chancen und Risiken vermitteln.

Der nun vorliegende Standardentwurf betont ein risikoorientiertes Vorgehen bei der Prüfung des Lage- bzw. Konzernlageberichts, d. h. die Fokussierung des Abschlussprüfers auf solche Angaben, bei denen das Risiko einer Falschaussage als besonders hoch eingeschätzt wird, und enthält Hinweise, wie mit solchen Risiken umzugehen ist. Mit der Neufassung des IDW PS 350 wird der Fokus zudem stärker auf den Prozess der Aufstellung des Lageberichtes gerichtet. Der Abschlussprüfer hat sich künftig mit den Vorkehrungen und Maßnahmen des Unternehmens zur Erfassung und Bewertung der Chancen und Risiken der künftigen Entwicklung zu beschäftigen und ihre Angemessenheit zu beurteilen. Die Prüfung bestimmter sog. Informationskategorien insbesondere der Chancen- und Risikoberichterstattung sowie der Prognoseberichterstattung wird somit konkretisiert und so nach außen erkennbar aufgewertet.

Darüber hinaus wurden durch den Standardentwurf auch zu beobachtende Entwicklungen in der Praxis der Lageberichterstattung berücksichtigt. Der Standardentwurf regelt erstmalig den Umgang mit im Lagebericht enthaltenen lageberichtsfremden, nicht prüfbaren Angaben sowie Querverweisen. Es wurde u. a. der Grundsatz aufgegeben, dass jede Angabe im Lagebericht zu prüfen ist. Werden beispielsweise lageberichtsfremde, d. h. gesetzlich nicht geforderte Angaben in den Lagebericht aufgenommen und eindeutig von den gesetzlichen Pflichtangaben getrennt, wird ein kritisches Lesen dieser Angaben durch den Abschlussprüfer als ausreichend angesehen. Unter Umständen ist jedoch im Bestätigungsvermerk darauf hinzuweisen, dass (prüfbare und nicht prüfbare) lageberichtsfremde Angaben bzw. Querverweise nicht in die Prüfung einbezogen wurden.

Auch wenn sich der Hauptfachausschuss des IDW dafür ausgesprochen hat, IDW PS 350 n. F. erstmalig auf die Prüfung von (Konzern-)Lageberichten für Berichtszeiträume anzuwenden, die nach dem 31. Dezember 2016 beginnen, empfiehlt es sich, dass sowohl Prüfer als auch Bilanzierende sich rechtzeitig vorbereiten und einen gemeinsamen Austausch suchen. Insbesondere gilt es, die Prozesse der Risiko- und Prognoseberichterstattung abzustimmen und gegebenenfalls zu dokumentieren sowie die (Konzern-)Lageberichte auf gesetzlich nicht geforderte Angaben zu prüfen, um hier vertretbare Lösungen zu erarbeiten.