Der Bestätigungsvermerk ist für eine Reihe von Abschlussadressaten häufig die einzige Informationsquelle neben dem eigentlichen Jahresabschluss. In der Vergangenheit kam es durch Aktionärsvertreter und die Politik aufgrund mangelnder Transparenz und unzureichender Risikowarnung immer wieder zu Kritik an der Abschlussprüfung. Angesichts des häufig verwendeten „Formeltestats“ wird insbesondere die geringe Aussagekraft von Bestätigungsvermerken kritisiert. Diese fehlende Aussagekraft begünstigt Missverständnisse über Aufgaben und Inhalte der Abschlussprüfung. Bereits seit 2009 existieren unter anderem Initiativen der EU-Kommission, um den bisherigen Bestätigungsvermerk fortzuentwickeln und dadurch das Vertrauen in den Prüfungsvermerk zu erhöhen. Diese Initiativen wurden im Rahmen der sogenannten EU-Audit-Reform in verschiedenen Verordnungen und Richtlinien umgesetzt, die bezogen auf den Bestätigungsvermerk erstmals 2017 bzw. 2018 zur Anwendung kommen.

Neben der EU-Kommission haben international auch die vom International Auditing and Assurance Standards Board (IAASB) veröffentlichten International Standards on Auditing (ISA) die Fortentwicklung des Bestätigungsvermerks vorangetrieben. Die Anforderungen der EU und der ISA sind grundsätzlich ähnlich. Beide verlangen im Bestätigungsvermerk detaillierte Angaben zur Abschlussprüfung und zu den wichtigen Fehlerrisiken im Jahres- bzw. Konzernabschluss sowie zur Reaktion des Abschlussprüfers auf diese Risiken und bieten für den Abschlussprüfer eine Chance, mehr Transparenz aufzuzeigen.

In Zukunft werden sich die Bestätigungsvermerke für Unternehmen von öffentlichem Interesse (Public Interest Entities, PIE) von solchen für Abschlüsse von Non-PIE Unternehmen unterscheiden.

Beiden gemeinsam ist, dass der neue Bestätigungsvermerk eine geänderte Struktur aufweist. So findet sich das Prüfungsurteil bereits am Anfang des Bestätigungsvermerks und wird um die Grundlagen für das Prüfungsurteil ergänzt. Deutlich fokussiert wird eine Mitteilungspflicht des Wirtschaftsprüfers, soweit wesentliche Unsicherheiten in Bezug auf die Unternehmensfortführung bestehen. Darüber hinaus wird der Bestätigungsvermerk zukünftig zusätzliche Erläuterungen zur Verantwortung der gesetzlichen Vertreter und des Aufsichtsorgans für den Abschluss und den Lagebericht sowie zur Verantwortung des Abschlussprüfers für die Prüfung des Abschlusses bzw. die Prüfung des Lageberichts enthalten.

Key Audit Matters

Bei Unternehmen von öffentlichem Interesse (PIE) wird darüber hinaus die Berichterstattung über die sogenannten Key Audit Matters verpflichtend. Bei allen anderen Unternehmen (Non-PIE) kann die Berichterstattung über die Key Audit Matters jedoch freiwillig vereinbart werden. Bei den Key Audit Matters handelt es sich um besonders wichtige Prüfungssachverhalte. Sie stellen solche Sachverhalte dar, die nach pflichtgemäßem Ermessen des Abschlussprüfers am bedeutsamsten in der Prüfung des Abschlusses waren. Die Mitteilung über die Key Audit Matters hat dabei in einem entsprechend überschriebenen gesonderten Abschnitt des Bestätigungsvermerks zu erfolgen. Hierbei ist jeder einzelne Sachverhalt mit eigenen Unterüberschriften als solcher zu kennzeichnen. Die Auswahl der Key Audit Matters ist gesondert zu begründen und auf die Behandlung der Sachverhalte bei der Prüfung einzugehen. Ergeben sich keine mitteilungspflichtigen Sachverhalte, ist eine Negativerklärung in den Bestätigungsvermerk aufzunehmen.

Die Identifikation der Key Audit Matters erfolgt im Rahmen der Jahres- bzw. Konzernabschlussprüfung. Dabei ist eine gesteigerte Kommunikation zwischen Aufsichtsorgan und dem Abschlussprüfer unabdingbar. Somit wird bereits im Vorfeld über die vorläufige Auffassung hinsichtlich der im Bestätigungsvermerk aufzunehmenden Sachverhalte kommuniziert. Dies führt im Endeffekt zu einer höheren Transparenz über die Tätigkeit des Abschlussprüfers und somit auch zu einer gewissen Steigerung des Informationswertes des Bestätigungsvermerks. Besonders externe Abschlussadressaten können hiervon profitieren. Die EU-Abschlussprüferverordnung sieht vor, dass die geänderten Anforderungen an den Bestätigungsvermerk zunächst nur bei PIE angewendet werden. Dies gilt für die Unternehmen, deren Geschäftsjahr am 17. Juni 2016 oder später beginnt. Damit gelten die geänderten Anforderungen an den Bestätigungsvermerk für die Abschlüsse zum 31. Dezember 2017 aller Unternehmen von öffentlichem Interesse.

Bei solchen Unternehmen, die nicht von öffentlichem Interesse sind, werden die geänderten Anforderungen erst für die Abschlüsse zum 31. Dezember 2018 bedeutsam. Eine vorzeitige Anwendung des neuen Bestätigungsvermerks ist auch bei diesen Unternehmen möglich. Dies setzt jedoch eine gesonderte Vereinbarung im Rahmen der Auftragserteilung voraus.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der Bestätigungsvermerk insbesondere bei Unternehmen von öffentlichem Interesse zukünftig deutlich aussagefähiger wird. Vor allem werden die Risiken sowie die Reaktion im Rahmen der Prüfung um diesen Risiken zu begegnen, genauer beschrieben. Die Darstellung der Risiken im Bestätigungsvermerk reflektiert den Verlauf und die Prüfung. Für die breite Masse der Non-PIE sind – abgesehen von einer Neustrukturierung des Bestätigungsvermerks – zunächst inhaltlich deutlich weniger Auswirkungen zu erwarten.