Der Vorsteuerabzug eines Unternehmers im Sinne des § 15 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 UStG setzt unter anderem eine ordnungsgemäße Rechnung voraus. Hierzu zählt auch die vollständige Anschrift des leistenden Unternehmers.

Nach bisheriger Rechtsprechung des BFH erfüllte das Merkmal der vollständigen Anschrift des leistenden Unternehmers nur die Angabe der zutreffenden Anschrift unter der dieser seine wirtschaftlichen Aktivitäten entfaltet. Die Angabe eines „Briefkastensitzes“ mit nur postalischer Erreichbarkeit, an dem im Zeitpunkt der Rechnungstellung keinerlei geschäftliche Aktivitäten stattfinden, reichte danach als zutreffende Anschrift nicht aus. 

Unter Aufgabe seiner bisherigen Rechtsprechung hat der BFH nunmehr mit Urteilen vom 21. Juni 2018 (V R 25/15 und V R 28/16) entschieden, dass für die vollständige Anschrift des leistenden Unternehmers jede Art von Anschrift und damit auch eine Briefkastenanschrift ausreicht, sofern der Unternehmer unter dieser erreichbar ist.

Die Rechtsprechungsänderung des BFH beruht auf dem Urteil des EuGH Geissel und Butin vom 15. November 2017 (C-374/16 und C-375/16) und ist entsprechend erwartet worden. Diese ist praxisnah und wird auch dem Umstand gerecht, dass sich oftmals der Ort der wirtschaftlichen Tätigkeit nicht genau bestimmen lässt.

Was für die Anschrift des leistenden Unternehmers gilt, dürfte auch für die des Leistungsempfängers gelten. Die Finanzverwaltung hat die Angabe einer bloßen Postfachnummer oder Großkundenadresse hierfür bereits ausreichen lassen (vgl. Abschn. 14.5 Abs. 2 S. 3 UStAE).